Philosophieren unter Segeln

Was ist „Philosophieren“? Nach Aristoteles fängt das Philosophieren mit dem Staunen an. Staunen zu können, bedeutet, dass man für einen Moment von der Welt zurück tritt, wie man sie zu kennen und zu verstehen meint, und einen ganz frischen, unvoreingenommen Blick auf sie wagt.

„Philosophieren unter Segeln“ lädt Sie ein, den festen Boden des scheinbar Gewussten zu verlassen. Kommen Sie an Bord der Philosophie und erforschen Sie den weiten Ozean des Denkbaren und Sagbaren bis zu dessen Grenzen. Das Boot ist die Sprache, die uns trägt, das Denken der Wind, der uns voranbringt.

Eine Grundtechnik des Philosophierens ist das als selbstverständlich Angenommene systematisch zu hinterfragen. Dann gilt es, seine eigenen Begriffe klarer zu fassen. Die wichtigste Technik ist jedoch das Begründen. Begründen kann man logisch, aber auch mit einer Geschichte, einem „empirischen Beweis“. Die Verwendung und Üben dieser Techniken führt das Philosophieren über das bloße Fragenstellen und Phantasieren hinaus zu konkreten Ergebnissen.

Die Rolle des „Kapitäns“ oder der Leiterin eines philosophischen Gesprächs ist nach Platon die einer „Hebamme“. Es geht nicht darum, die Gesprächsteilnehmer manipulativ zu Antworten zu führen, die die Leiterin schon vorher im Sinne hatte, sondern das Gespräch ist ergebnisoffen. Die Gesprächsleiterin hilft nur bei der „Geburt“ der eigenen Ideen der Teilnehmer und ihrer begründeten Darstellung. 

Natürlich muss die Gesprächsleiterin das Feld des Themas selbst vorher gründlich erkundet haben und mögliche Pfade gegangen sein. Die Teilnehmenden sollen aber ihre eigenen Pfade finden. Im Gespräch, Rede und Gegenrede, entwickelt sich die Idee und das Thema so weiter, so dass allen Beteiligten am Ende etwas klarer und deutlicher geworden ist, was man am Anfang vielleicht nur vage geahnt hat, so dass man mit Sokrates sagen kann: „Jetzt weiß ich, dass ich nicht weiß (d.h., dass ich vorher nur vage Meinungen hatte).“

(Katrin Stamm)